Einfach mal Danke sagen

Denkst du manchmal, es kommt immer seltener vor, dass sich jemand für etwas, das du getan hast, bedankt? Empfindest du dein Umfeld als undankbar – ob Zuhause, bei der Arbeit, beim Einkaufen oder irgend einer anderen Situation in deinem Alltag?
Vor allem im Arbeitsumfeld höre ich oft „Das dankt mir/dir sowieso keiner.“
Im Sinne von, es lohnt sich eh nicht sich zu engagieren.

Gleichzeitig erwartet der/diejenige sehr wohl, dass jemand anderer sich anstrengt und ein Problem aus dem Weg räumt (meistens vom Chef).
Einerseits offenbaren wir mit derlei Aussagen etwas über unsere Motivation: Wofür mache ich Dinge? Für das Lob und die Anerkennung anderer oder weil es das richtige ist?
Andererseits ist es ein guter Moment für eine kleinen Innenschau: Wie oft sage ich selbst Danke?

Ich möchte gern einen kleine Routine mit dir teilen, die mir sehr dabei hilft, selbst dankbar zu bleiben.
Es handelt sich um eine kleine Übung, die aus dem Tibetischen stammt und dort als Dankbarkeitsmeditation bezeichnet wird.
Man kann sie überall und jederzeit anwenden.
Dabei muss man weder einen abgeschiedenen Ort aufsuchen noch verknotet im perfekten Lotussitz sitzen.
Das Einzige, was du tun musst, ist dir einen Moment Zeit zu nehmen für ein paar bewusste Überlegungen zu etwas, das du in deinem Leben genießt und auf das du nicht verzichten möchtest.

Ich zum Beispiel liebe es, Kaffee zu trinken, daher nehme ich das mal als Beispiel.
Ich sitze also am Morgen vor meiner ersten Tasse Kaffee und bevor ich anfange zu trinken, gehe gedanklich in der Zeit rückwärts und mache mir bewusst, welche einzelnen Arbeitsschritte erforderlich waren, um diese eine Tasse Kaffee mit einem Schuss Milch vor mir stehen zu haben.

Dabei bedanke ich mich in Gedanken bei allen Menschen, die einen Teil dazu beigetragen haben.
Allein schon für den kleinen Schluck Milch, den ich in meinen Kaffee mache hieße das, mich zu bedanken bei

  • der Kassiererin, die mir die Milch verkauft hat
  • dem Menschen, der die Tetrapaks im Supermarkt ins Regal geräumt hat
  • den Lieferanten, der sie vom Hersteller zum Supermarkt gebracht hat,
  • dem Hersteller und allen Mitarbeitern, die die Rohmilch verarbeitet und abgefüllt haben
  • dem Transporteur, der die Milch vom Bauern zur Weiterverarbeitung transportiert hat
  • dem Bauern, der die Kuh gefüttert, gepflegt und gemolken hat
  • dem Verpackungshersteller einschl. des Designers, der den Aufdruck kreiert hat (bis hin zu einer einzelnen Verpackung sind es ebenfalls viele weitere Schritte und Menschen, die beteiligt sind am Ergebnis meiner einzelnen Verpackung!)

Diese Übung bringt mich in eine Bewusstheit, die mich auch die kleinen Dinge wieder mehr achten und genießen lässt.
Sie macht mich sehr demütig gegenüber den komplexen Leistungen, die hinter jedem Gebrauchs- und Verbrauchsmittel stehen, das ich im Alltag verwende und weitet damit meinen Blick für alle Leistungen, die jeden Tag von jedem Menschen, der mir begegnet, erbracht werden. Ob gut oder schlecht ist hier nicht die Frage, sondern dass er da ist und einen Beitrag leistet. Mit dieser Haltung spreche ich auch laut öfter ein Danke aus.

Egal ob du diese kleine Übung anwenden magst oder nicht, nimm sie gerne als Anlass, um ebenfalls öfter wieder Danke zu sagen und freue dich von Herzen über diese scheinbar kleine Geste. Mit der Zeit wirst du merken, dass auch du (wieder) mehr Dankbarkeit von anderen erfährst.

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash

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