Diversität: einfach machen

Disclaimer:
Dieser Blogbeitrag kann Spuren von Klischees enthalten.

„Diversity“ – ein neuer Begriff für ein zeitloses Thema
Es gab schon immer Menschen, die sich für Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit engagiert haben. Mit dem trendigen Wort „Diversity“ findet sich dieses Engagement auch in der Wirtschaft wieder.

Mit diesem Begriff verbinde ich zwei große Teilthemen, die eine bedeutsame Rolle spielen: das der unbewussten Voreingenommenheit (1), englisch: unconscious bias und das der Privilegien (2).

(1) Bist du dir sicher, dass du niemanden diskriminierst?
Das Thema Unconscious bias ist der Teil von Diversity, dem man bereits in vielen Unternehmen begegnet. Man redet darüber und ergreift Maßnahmen, um die Mitarbeiter für die oft sehr tief liegenden, persönlichen Voreingenommenheiten zu sensibilisieren – unsere persönlichen blinden Flecken. Hast du dich schon mal gefragt, wie es kommt, dass wir ohne es aktiv wahrzunehmen, Männer als mutiger und Frauen als risikoscheuer einschätzen? Eine Idee: Bereits auf Kinderduschbädern finden sich Bilder eines Star Wars Helden mit der Unterschrift „Ich fühle mich galaktisch“ für die Jungen und Prinzessin Elsa mit der Unterschrift „Ich fühle mich verzaubert“.
Diese Art äußerer Einflüsse trägt dazu bei unsere Grundsicht auf die Welt mitzuprägen. Als Kinder sind wir besonders aufmerksam. Wir wollen dazugehören und geliebt werden und um dies zu erreichen beobachten wir unser Umfeld und unsere Umgebung ganz genau und ahmen sie nach: den Umgang der Erwachsenen um uns herum, Bilder, die wir sehen (in der Werbung, in Zeitschriften, Filmen, Spielen und in Social Media), wir lernen aus der Lektüre, die für uns ausgesucht wird (Bsp. Deutsche Klassiker oder Empfehlungen unserer Freunde) und die uns zeigen soll, wie die Welt und das menschliche Miteinander funktioniert.

Viele Unternehmen widmen sich diesen bislang unbewusst gebliebenen Steuerungsmechanismen bereits intensiv indem sie z.B.:

  • Trainings anbieten, die mehr Bewusstheit im Alltag schaffen sollen,
  • Quoten einrichten (für Frauen, Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung, nicht-weiße…),
  • das Thema „Diversity im Unternehmen“ in Projekte auslagern (auch bekannt als Projektitis) oder
  • punktuell in der Produktentwicklung darauf achten, dass Vertreter unterschiedlicher Gruppen bei der Ideengenerierung anwesend sind.

Doch damit allein bleiben alle Versuche der Veränderung im „darüber-reden“ stecken.

(2) Statt Symptome zu bekämpfen sollten wir an die Ursachen gehen
Wirklich sichtbaren Fortschritt in der Gleichstellungsdebatte können wir nur erreichen, indem wir uns an das Thema Strukturen und Privilegien herantrauen. Hier geht es um Bevorzugungsmuster, welche in den bestehenden (Macht)Strukturen etabliert sind. Diese stellen das eigentliche Problem dar. Hierbei handelt es sich nicht um einen blinden Fleck, sondern vielmehr um ein Tabuthema.

Darüber nachzudenken, dass jeder von uns auf irgendeine Art und Weise in bestimmten Kontexten privilegiert ist, tut weh.
Wieso?
Die aktuell vorherrschende, wettbewerbsorientierte Sichtweise auf die Welt suggeriert, etwas, das wir haben oder haben wollen, sei in Gefahr und könnte uns weggenommen werden.
Und somit verschwindet das Thema stillschweigend aus der Diskussion. Wir sind uns latent bewusst, dass wir es in bestimmten Kontexten leichter haben und wollen uns diese Bevorzugung sichern.

„If you don’t have to think about it, it’s a privilege.“
Was heißt privilegiert sein eigentlich? Ein Privileg ist ein Recht, das Einzelnen oder Gruppen vorbehalten ist. Das bedeutet, dass es Unterschiede im Zugang zu bestimmten Ressourcen oder Netzwerken gibt, einen Vorsprung oder gar Vorrecht für einige und damit einen Nachteil für andere.
Es bedeutet nicht, dass man etwas nicht verdient hat oder bisher gar ausschließlich ein leichtes Leben hatte. Jede*r leistet auf seinem Weg unglaublich viel Arbeit, die anerkannt werden sollte und jede*r Einzelne von uns verdient es, erfolgreich zu sein. Doch auf dem Weg dahin ist jede*r von uns mit anderen Barrieren konfrontiert.

Ein Beispiel:
Habe ich als deutschstämmige Frau größere Chancen am hiesigen Arbeitsmarkt als eine Frau mit der gleichen Ausbildung mit Migrationshintergrund + einem fremdartig klingenden Namen?
Ja, aktuell auf jeden Fall noch sehr oft.
Und hat ein weißer Mann mit gleichem Bildungshintergrund Vorrang vor uns beiden?
Auch hier ja, aktuell noch sehr oft.

Sobald ich anfange, genau über diese Art von Unterschieden/Privilegien zu sprechen, werden schnell Ängste getriggert. Jede*r will irgendwie einen Chancenvorteil, wenn es um die attraktiven Arbeitsplätze, um die wenigen Führungspositionen, um das schönste Büro… geht. Da fühlt sich jede Form von weiterem Wettbewerb bedrohlich an. Letztlich stimmt die Aussage, es könne sich jeder auf eine Stelle bewerben. Doch ganz ehrlich: die Filtermechanismen stellen sicher, dass nur eine bestimmte Art Mensch tatsächlich in den Genuss dieser Stelle kommt.

Wir alle sind privilegiert
Wie groß die Angst vor der Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien ist, zeigt sich anhand der Reaktion jeder*s Einzelnen, wenn man sie/ihn darauf anspricht.
Von Gelassenheit über Abwehr bis hin zu Aggression ist alles dabei.

Wieviele Privilegien wir tatsächlich – jede*r Einzelne von uns – besitzen, lässt sich wunderbar mit einem einfachen Privilegientest demonstrieren.

Deine Haltung ist das wirksamste Gegenmittel
Entscheidend für jede*n Einzelne*e von uns ist, uns unseren eigenen Macht bewusst zu werden und aktiv zu entscheiden, wie wir unsere Privilegien einsetzen.
Nutzen wir sie, um andere zu fördern oder lassen wir sie ungenutzt und stützen damit die bestehenden Strukturen?
Ich kann:

  • mich für die Einstellung einer weniger privilegierten Person für eine ausgeschriebene Stelle einsetzen.
  • jemandem mit Wissen helfen Bildungsunterschiede überwinden, bei der Beantragung von Fördermitteln unterstützen, auf der Suche nach Hilfe unterstützen, …
  • durch Mentoring jemandes Entwicklung begleiten und mit Rat und aufbauenden Worten beiseite stehen
  • jemanden eine Tür öffnen, sie/ihn in meinem Netzwerk empfehlen und auf ihre/seine Leistungen aufmerksam machen
  • durch mein Verhalten im Alltag Haltung zeigen und alle Menschen um mich herum versuchen gleich zu behandeln
  • mich solidarisch verhalten wenn eine vereinzelt stehende Person in einer Gruppe Unterstützung benötigt

Ich kann sogar jemanden Vorrang auf etwas geben, das ich mir selbst wünsche.
Für mich persönlich wüsste ich keinen Grund, wieso wir nicht auf diese Art miteinander umgehen und unsere Privilegien zum Wohle aller nutzen sollten.

Links zum Portal Intersektionalität:
Portal Intersektionalität: Privilegientest
Interaktiv: Schritt nach vorne
Selbstlernvariante

Photo by Brittani Burns on Unsplash

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